Wenn Richter Sterne sehen

 

Reiserecht: Auch in Luxus-Häusern gibt’s Ärger – oder gerade dort…

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

Bei der Auswahl eines Hotels verlassen sich viele Urlauber auf die Beschreibungen in den (Internet-)Katalogen. Dabei ist ein wichtiger Punkt die „Sterne-Kategorie“. Doch egal, wie viele Sterne das Urlaubsdomizil auch hat: Ärger kommt in den besten Häusern vor. Aktuelle Beispiele:  

Auch viele kleine „Macken“ rechtfertigen keinen Umzug in ein anderes Hotel – Auch wenn ein Urlauber-Ehepaar mit seinem 17jährigen Sohn in einer Drei-Sterne-Herberge in der Dominikanischen Republik für 3.786 Euro eine dreiwöchige Reise gebucht hat, allerdings schon in den ersten beiden Tagen zahlreiche kleinere Beanstandungen vorzutragen hatte, die aber vom ausrichtenden Hotelmanagement entweder nicht als solche anerkannt beziehungsweise angeblich schnellstens behoben worden seien, so sollte die Familie mit einem Umzug in ein anderes Hotel vorsichtig sein, was die Übernahme der Kosten dafür (hier in Höhe von „weiteren“ 1.827,84 €) betrifft. Dies vor allem dann, wenn das aufgesuchte Hotel mit vier Sternen glänzte.

Bei den Reklamationen ging es unter vielem anderen darum, dass die Schränke keine Türen gehabt hätten, was dort offenbar als regelgerecht angesehen wurde, um Feuchtigkeitsmängeln vorzubeugen; ferner um Schmutz im Bad, Zementreste auf dem Balkon und eine offene Baustelle direkt davor und einer überlauten Klimaanlage. Das Amtsgericht München verneinte dennoch die geforderte Übernahme des Aufpreises: es sah keinen „erheblichen Mangel, der den Reiseveranstalter für die Zusatzkosten ersatzpflichtig gemacht hätte“. (AmG München, 172 C 15107/17)

Fäkalien im Meer bringen 100 Prozent Reisepreisminderung plus Entschädigung – Wird mit einem „langen, feinen Sandstrand“ für ein Fünf-Sterne Hotel (hier in der Türkei) geworben, so kann eine vierköpfige Familie den kompletten Preis für die Reise zurückbekommen und pro Person knapp 1.500 Euro als Entschädigung für vertane Urlaubszeit inklusive Schmerzensgeld erhalten, wenn alle vier direkt nach dem ersten Tag mit Brechdurchfall im Krankenhaus landen. Das gelte jedenfalls dann, wenn die Ursache dafür eine defekte Kläranlage am Ort war und ungeklärte Abwässer in 200 Meter Entfernung vom Strand ins Meer geleitet wurden. Weil dem Veranstalter diese „Sauerei“ bereits vor Ankunft der Gäste bekannt war, er jedoch kein Umbuchungsangebot abgab, sondern die Gäste quasi sehenden Auges „in die Gülle hineinschwimmen ließ“, muss er bezahlen. (LG Köln, 2 O 56/15)

Eigene Bewertungen müssen ausdrücklich kenntlich gemacht sein – Verlässt sich ein Hotelbesitzer auf seinem Buchungsportal nicht auf die offizielle „Sterndeutung“ durch den Hotel-Dachverband und bewertet er seine Herberge mit einem eigenen Sternesystem, so muss er ausdrücklich darauf hinweisen. Geschieht das nicht, so könnten potentielle Kunden in die Irre geführt werden, weil sie nicht wüssten, dass die „Sterne“ nicht von einer nach objektiven Maßstäben beurteilenden Stelle vergeben wurden. Das Unternehmen hat die irreführende Sterne-Werbung „zu unterlassen“. (OLG Nürnberg, 3 U 1974/15)

Unter einem „Wappen“ angebrachte vier vergoldete Sterne irritieren… – Stellt sich ein Hotel im Internet unter seinem Wappen mit vier eng gesetzten „Sternen“ dar, die vergoldet sind, so nimmt der „durchschnittlich informierte, aufmerksame und verständige Verbraucher“ dadurch nicht an, dass dieses Hotel in der offiziellen Klassifizierung als mit „vier Sternen“ ausgezeichnet sei (obwohl das Hotel über gar keinen „Stern“ verfügt“). Das Landgericht Freiburg: „Die Art der gewählten graphischen Darstellung, insbesondere in Verbindung mit der gewählten goldenen Farbe der Sterne spricht entscheidend gegen ein Verständnis, hierbei handele es sich um einen Verweis auf ein neutrales und objektives Qualitätseinstufungssystem.“ (LG Freiburg, 12 O 137/15)

Ein Kulturdenkmal darf kein Viersterne-Hotel werden . Ein „altes Brauhaus“ (eine Gaststätte mit Übernachtungsmöglichkeiten) darf nicht zu einem Viersterne-Hotel umgebaut werden, wenn es sich bei dem Gebäude um ein Kulturdenkmal handelt, „welches sowohl als Einzeldenkmal als auch als Teil einer Denkmalzone denkmalschutzrechtlichen Schutz genießt“. In dem konkreten Fall vor dem Verwaltungsgericht Trier sollte das Haus auf 32 Zimmer aufgestockt, weitgehend entkernt, mit einem zusätzlichen Geschoss und einem neuen Dach versehen werden. Daraus wird jedoch nichts, weil das Gebäude „ein Schulbeispiel der klassizistischen Baukunst“ sei und als bemerkenswertes Zeugnis der Wohn- und Gewerbearchitektur im 19. Jahrhundert ein besonderer geschichtlicher Wert zukomme. (VwG Trier, 5 K 938/13)

Und dann war da noch …

… der Geschäftsmann, der vor fünf Sternen ausrutschte:

Rutscht ein Geschäftsmann vor einem (5 Sterne-)Hotel auf Glatteis aus, so kann er weder Schadenersatz noch Schmerzensgeld vom Hotelbetreiber verlangen, wenn er nicht beweisen kann, dass er in einem Bereich gestürzt ist, „für den der Hotelier streupflichtig gewesen ist“. Zeigen sich hier keine „Einzelfall-Umstände“, nach denen mehr als der übliche mittige Streifen auf dem Gehweg mit knapp 1,5 Metern zu räumen gewesen wäre, so trifft den Hotelbetreiber keine Schuld. (Hier war das Besondere an dem Fall, dass der Gestürzte – im Übrigen ein Jurist – behauptete, wegen der Verletzungen ein Geschäft verpasst zu haben, dass ihm binnen 3 Monaten einen Ertrag in Höhe von 2 Millionen Euro gebracht und im weiteren Verlauf zu einer Ausschüttung in Höhe von 35 Millionen Euro für ihn oder seine Gesellschaft geführt hätte. Letztlich musste er an Gerichtskosten – wegen des hohen Streitwertes – 325.000 € berappen). (KG Berlin, 4 U 113/15)

 

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