Renten-Kuren-Uhren ticken individuell

Trink- und Wandelhalle in Bad Harzburg Foto: Cassandro Wikimedia

 

Familie mit Kind zahlt erst ab 1.900 Euro voll

Kuren, also Rehabilitationsmaßnahmen, kosten die gesetzlichen Rentenversicherer eine Menge Geld. Die Versicherten müssen jedoch ihr Scherflein dazu beitragen. Pro Tag der Kur sind 10 Euro beizusteuern. Es gibt allerdings eine Reihe von Ausnahmen und Härtefallregeln, die den Kranken die Zuzahlungen ersparen.

Grundsätzlich gilt: Wer während einer Kur Arbeitsentgelt weiterbezieht, der hat die 10 Euro pro Tag beizusteuern – wenn es sich nicht um einen „Härtefall“ handelt. Das gilt für maximal 42 Tage. Zahlt der Rentenversicherer jedoch als Ersatz für Lohn oder Gehalt „Übergangsgeld“, dann gilt damit bereits eine Beteiligung des Versicherten an den Kurkosten als erbracht, weil Übergangsgeld nie­driger ist als der Nettoverdienst. Die Folge: Die 10 Euro müssen nicht zugelegt werden.

Die Eigenbeteiligung der Rentenversicherten entfällt ferner, wenn

* Grundsicherung beziehungsweise Arbeitslosengeld II bezogen wird

* im Kalenderjahr schon für 6 Wochen zu einer Kur zugezahlt wurde

* sie eine Kinderheilbehandlung erhalten oder

* das 18. Lebensjahr noch nicht vollendet ist (und weil sie bereits selbst Beiträge zahlen und deshalb keine „Kinderheilbehandlung“ mehr bekommen).

In den übrigen Fällen können die Rentenversicherten vom Eigenanteil befreit werden, wenn ihr Einkommen gering ist. Beträgt das Nettoeinkommen eines Alleinstehenden maximal 1.247 Euro im Monat, so übernimmt der Rententräger die Kurkosten wiederum voll.

Für Rentenversicherte wie auch für Rentner, die mindestens ein Kind unter 18 Jahren haben oder pflegebedürftig sind beziehungsweise einen pfle­gebe­dürftigen Ehepartner betreuen, gelten gestaffelte Zuzahlungsbeträge, die mit der Höhe ihres Einkommens steigen:

 

ab    1.247,00 Euro    5,00 Euro pro Tag

ab    1.370,60 Euro    6,00 Euro pro Tag

ab    1.495,20 Euro    7,00 Euro pro Tag

ab    1.619,80 Euro    8,00 Euro pro Tag

ab    1.744,40 Euro    9,00 Euro pro Tag

ab    1.869,00 Euro   10,00 Euro pro Tag

 

Dies gilt unter Voraussetzungen auch für Pflegebedürftige.

Interessant: Für ambulante Rehabilitationen, die durch die Rentenversicherung finanziert und die ja auch immer häufiger in Anspruch genommen werden, wird keine Zuzahlung fällig.

Wichtig: Ohne Antrag läuft nichts, da den Rentenversicherungen die Höhe der Einkünfte ihrer Versicherten nicht bekannt ist. Und: bei einer Anschlussheilbehandlung (AHB) muss für maximal 14 Tage zugezahlt werden; dabei wird die Dauer eines Krankenhausaufenthaltes angerechnet, was regelmäßig während einer AHB zu einer Befreiung von den Eigenanteilen führt.

Für Kuren der gesetzlichen Krankenkassen beträgt die Eigenbeteiligung der Versicherten generell 10 Euro täglich. Hier gibt es jedoch keine gestaffelten Zuzahlungsbeträge. Die Eigenbeteiligung wird generell bis zu vier Wochen fällig – und entfällt nur, wenn die maßgebende Härtefallgrenze (2 % – für chronisch Kranke 1 % des Jahresbruttoeinkommens) erreicht ist.

Die gesetzlichen Rentenversicherer sind im Bereich Kuren im Regelfall zuständig für Versicherte, die noch im Erwerbsleben stehen. („Jede Kur kostet Geld – kann aber Rentengeld sparen“). Die gesetzlichen Krankenkassen kümmern sich um solche Versicherte, die aus dem Erwerbsleben ausgeschieden sind oder nicht gesetzlich rentenversichert waren.

Redaktion: Karl-Hermann Leukert

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