Regeln für das Hotel Mama

Teenager (Foto: Alagich Katya), Quelle: Wikimedia

Auch Teenys haben Anspruch auf Privatsphäre

von Maik Heitmann

Die Autorin und überzeugte „Nicht-Mutter“ Verena Brunschweiger plädiert vor allem aus Umweltschutzgründen für ein Leben ohne Kinder. „Ein Kind ist das Schlimmste, was man der Umwelt antun kann“, wird sie in einem Interview zitiert. Wie sie das meint, hat sie in einem Buch zusammengefasst, das „Kinderfrei statt kinderlos“ heißt. Nicht alle sehen das so – und das ist auch gut so. Auch wenn sich so mancher im Nachhinein die Anstrengung der vielen Jahre mit Erziehung und Begleitung des Nachwuchses sicherlich gerne gespart hätte

Sind nun jene Kinder noch klein, ist es klar, wer für sie, mit ihnen und manchmal auch über sie bestimmt: Die Eltern. Im Teenageralter kommt es dann oft zu kleinen oder großen Revolutionen im Kinderzimmer. Oder besser in der „Teenyhölle“. Wer hat eigentlich welche Rechte, wenn es dann knallt?

Kinder haben nach der UN-Kinderrechtskonvention ein Recht auf Privatsphäre. Natürlich sollten kleinere Kinder sich nicht einschließen. Geht der Schlüssel verloren, ist der Ärger groß. Auch für den Ernstfall wäre es nicht gut, wenn die Eltern keinen Zugang zum Zimmer hätten. Ansonsten darf der Teeny schon verlangen, von seinen Eltern in Ruhe gelassen zu werden. Das gilt wiederrum nicht, wenn Eltern die „begründete Sorge“ haben, dass ihr Kind – etwa durch Drogen – gefährdet ist. Dann dürfen die Eltern durchsetzen, dass die Tür geöffnet bleibt. Wer ins Haus kommt, dürfen die Eltern bestimmen. Sie haben das Hausrecht für Wohnung oder Eigenheim.

Die Privatsphäre gilt auch für die Post. In etwa ab dem Zeitpunkt, an dem die Kids selber lesen können, sollten die Eltern Briefe für den Nachwuchs nicht mehr einfach so öffnen und einsehen. Das gilt natürlich auch für den umgekehrten Fall.

Den Paragraphen 1619 des Bürgerlichen Gesetzbuches würden pubertäre Monster sicherlich sofort auffressen. Darin steht nämlich, dass das Kind, „solange es dem elterlichen Hausstand angehört und von den Eltern erzogen oder unterhalten wird“, verpflichtet ist, „in einer seinen Kräften und seiner Lebensstellung entsprechenden Weise den Eltern in ihrem Hauswesen und Geschäft Dienste zu leisten.“ Das hören Eltern bestimmt gerne. Hier gibt es keine feste Regel. Zeit für Schule und Hobbys müssen die Kinder natürlich ausreichend bekommen. Aber regelmäßiges Müll rausbringen oder die Versorgung der Haustiere können Eltern sogar mit „gesetzlichem Segen“ verlangen.

Als kleine Gegenleistung kann ja ein wöchentliches oder monatliches Taschengeld vereinbart werden. Anspruch auf eine solche Zahlung haben die Kids indes nicht – anders als auf gesetzlich vorgeschriebenen Unterhalt. Solange der Nachwuchs noch minderjährig ist und zu Hause wohnt, beschränkt sich dieser auf den so genannten Naturalunterhalt: Essen, Kleidung, Spielwaren und alles, was im Alltag eben gebraucht wird. Ziehen die Kinder aus, gelten andere Unterhaltsregeln, die dann auch in Euro und Cent aus Tabellen abgelesen werden können.

Es wird die Ausnahme sein, dass Kinder ausziehen, bevor sie volljährig sind. Ohne Zustimmung der Eltern dürfen sie das auch gar nicht. Denn die gesetzliche „Personensorge“ umfasst auch das Recht der Eltern, zu bestimmen, wo ein Kind wohnt. Außerdem: Minderjährige dürfen ohne Erlaubnis der Eltern gar keinen Mietvertrag unterzeichnen – jedenfalls nicht rechtswirksam.

„Sweet Sixteen“

Mit Erreichen des 16. Lebensjahres gehen für Teenys so manche Türen auf. Hier eine Kurzübersicht über das, „was geht– und so manches auch, ohne Mama oder Papa fragen zu müssen:

* Offiziell dürfen Bier, Sekt, Wein und Mischgetränke gekauft und getrunken werden. Hochprozentiges bleibt laut Jugendschutzgesetz bis zum 18. Lebensjahr verboten.

* Filme und Computerspiele mit „FSK 16“ dürfen geguckt werden.

* Der Führerschein für Motorräder bis 125 ccm (so genannte Leichtkrafträder), aber auch für Zug- und Arbeitsmaschinen (zum Beispiel für einen Trecker) kann gemacht werden – vorausgesetzt, die Eltern stimmen zu.

* Haare färben ist nun ohne Erlaubnis der Eltern möglich. Piercings und Tattoos nur mit deren Einverständnis.

* Ohne Aufsicht darf bis 24 Uhr in der Disko gezappelt werden.

* Der eigene Hausarzt darf sich ausgesucht werden. Die Ärzte raten minderjährigen Patienten allerdings meist dazu, die Eltern mit ins Boot zu holen – insbesondere bei schwerwiegenderen Behandlungen. Auch die Antibabypille darf nun grundsätzlich – je nach Einschätzung des Arztes – verschrieben werden.

 

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