„Pflegende“ Voll-Rentner: Plus auf dem Rentenkonto!

Zauberwort für die Türöffnung: „Teilrente“

 

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

 

Für Rentner, die einen Angehörigen pflegen, aber bereits die Regelaltersgrenze erreicht haben, wird es spannend. Denn ab Juli 2017 haben sie die Möglichkeit, über den Umweg „Teilrente“ die bis dahin versperrte Tür zum Rentenkonto (wieder) zu öffnen. Mit ziemlich positiven Folgen. Was verbirgt sich dahinter?

 

Seit Inkrafttreten des Flexirentengesetzes zum Jahresbeginn 2017 haben auch Rentner nach Erreichen der regulären Altersgrenze die Möglichkeit, ihre Rente durch einen Job weiter zu erhöhen. Das kann durch die Zahlung eigener Beiträge im Zusammenspiel mit den vom Arbeitgeber abgeführten Rentenversicherungsbeiträgen geschehen. Insbesondere lohnt sich das für die zahlreichen Minijobber unter den Rentnern. Sie können durch einen geringen eigenen Beitrag – neben den 15 Prozent Pauschalbeitrag vom Gehalt, die der Arbeitgeber abführt – die Rente steigern.

 

Dazu müssen sie lediglich 3,7 Prozent selbst aufbringen, um den gesetzlich vorgeschriebenen Beitrag von 18,7 Prozent zur Rentenversicherung zu erreichen. Bei einem Monatsverdienst in Höhe von 450 Euro entspricht dies einem monatlichen maximalen Beitrag von 16,65 Euro. Nach einem Jahr Beitragszahlung kommt aktuell eine Rentensteigerung von 4,83 Euro im Westen heraus (im Osten: 5,08 €), die mit den zum 1. Juli 2017 anstehenden Rentenerhöhungen ebenfalls leicht steigen werden. Somit fließen die gezahlten Beiträge in weniger als vier Jahren ins Portemonnaie des Rentners zurück. Dazu muss er nur eine entsprechende Erklärung gegenüber dem Arbeitgeber abgeben. Das gilt für zukünftige Beschäftigungszeiten und ist soweit nichts Neues.

 

Aber: Im Zuge der Diskussionen um dieses Thema kam auch immer wieder die vielfach empfundene „Ungerechtigkeit“ auf, dass jobbende Voll-Rentner die Möglichkeit haben, das Rentenkonto weiterhin aufzustocken (siehe oben). Dies jedoch Rentnern, die einen Angehörigen oder eine andere Person pflegen, verwehrt ist. Und das, obwohl mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit anzunehmen ist, dass die Pflegetätigkeit beschwerlicher ist, als eine 10 oder 15-Stunden-Woche in einem Minijob…

 

Dafür können sich pflegende Rentner bald wenigstens etwas belohnen. Das Zauberwort dafür heißt: „Flexible Teilrente“. Der Einsatz (wenn er sich auch irregulär anhört): Mindestens 1 Prozent der aktuellen Rentenzahlung. Soll heißen: Verzichtet der pflegende Vollrentner auf einen Prozent seiner Rente, so kann auch er die Pflegekasse der von ihm betreuten Person auffordern, für die Tätigkeit Beiträge an die Rentenversicherung (wieder) abzuführen. Die Höhe des sich  später daraus ergebenden Rentenanspruchs ergibt sich aus der Intensität der Pflege beziehungsweise aus dem Pflegerad der oder des Bedürftigen. Grundsätzlich tritt die Rentenversicherungspflicht ein, wenn die Pflegeperson eine Person mit mindestens Pflegegrad 2 pflegt und dabei wenigstens zehn Stunden, verteilt auf zwei Tage oder mehr Tage wöchentlich tätig ist. Exemplarisch dazu drei Werte, die vom 1. Juli 2017 an gelten werden, wenn ein Jahr lang gepflegt worden ist:

 

Pflegegrad Rente/Monat West Rente/Monat Ost
     
2 8,06 € 7,72 €
3 12,84 € 12,29 €
4 20,90 € 20,01 €

 

Der Verzicht auf einen Prozent der Rente kann sich lohnen, da die Beiträge der Pflegekasse jeweils zum 1.7. des Folgejahres im Rahmen der Rentenanpassung die Rente erhöhen. Wird die Pflegetätigkeit beendet, so kann der Rentner oder die Rentnerin dann wieder die Vollrente beziehen.

Die Deutsche Rentenversicherung bietet dazu ein kostenloses Servicetelefon an: 0800 1000 4800. Pflegende Rentnerinnen und Rentner, die beabsichtigen, die Möglichkeit der Rentenaufbesserung über den Umweg einer flexiblen Teilrente zu nutzen, sollten in einem ersten Schritt das Gespräch mit der Pflegekasse des Bedürftigen suchen. Und danach dann erst den Antrag auf Teilrente beim Rentenversicherer stellen.

3 Kommentare bei “„Pflegende“ Voll-Rentner: Plus auf dem Rentenkonto!

  1. Sehr geehrter Herr Büser,
    ich hatte mal von Ihnen, in einer Zeitung eine Formel gefunden, wo ich errechnen konnte, ob ich als Rentner Steuerpflichtig bin. Leider ist mir die Formel abhanden gekommen, wo finde ich die einfache Formel?
    Mit freunlichen Grüßen
    Gottfried Baltus, Heinrich-Billstein-Str. 6, 50769 Köln, Tel. 0221 7008518

  2. Hallo Herr Büser,
    meine Frau – approbierte Kranken-/OP-/Intensiv-Schwester pflegt mich 21 Std. wöchentlich. Dafür erhalten wir Pflegegeld in Höhe von €316,-/Monat. Hierzu habe ich einige Fragen:
    – Zahlt die Pflegekasse Beiträge zur RV meiner Frau und wie und wann erhöht sich dann ihre Rente ?
    – Gilt für die „ausgelagerte“ Pflege nicht der gesetzliche Mindestlohn ?
    – Kann der gesetzliche Mindestlohn für Pflegekräfte in Ansatz gebracht und eingefordert werden ?
    – Mein Behindertengrad von 40% wurde mit Wirkung vom 22.03.2017 festgestellt, Bescheid Niedersächsisches
    Landesamt für Soziales, Jugend und Familie Außenstelle Verden vom 15.09.2017.
    – Nach mehreren Anläufen erhielt ich die erforderlichen Fragebögen zum Pflegegeld und konnte am 20.10.2017
    entsprechenden Antrag stellen.
    – Der MDK begutachtete am 04.12.2017 mit dem Ergebnis des Pflegegrades 2 ab 01.10.2017
    – Die Pflegekasse stellt seit dem 20.10.2017 das Pflegegeld zur Verfügung.
    Wir sehen in der Bewertung der verschiedenen Daten allerdings eine erheblich Diskrepanz und wissen nicht, wie wir weiter vorgehen sollen !
    Gerne hören wir wieder von Ihnen und verbleiben
    mit den besten Grüßen
    Familie Heins

  3. Leider warten wir immer noch auf Antwort;
    5. Januar 2018 um 1:11 Uhr
    Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.

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