Kuhkampf

Junges Rind (Foto: Adrian Michael Wikimedia)

 

von Maik Heitmann

Das Urteil des Landesgerichts Innsbruck ließ aufhorchen. Der Besitzer einer Kuhweide in Österreich wurde zur Zahlung von 490.000 Euro Schadenersatz verurteilt, weil eine Wanderin auf einem Weg zu Tode getrampelt wurde, nachdem die Kühe auf sie zugelaufen waren.

 

Es sei davon auszugehen gewesen, dass die Tiere aggressiv auf den die Frau begleitenden Hund reagierten und der Landwirt seiner Sorgfaltspflicht nicht ausreichend nachgekommen sei. Warnschilder, die er aufgestellt hatte, waren unzureichend. Er hätte das Gebiet, in dem die Kühe grasen, einzäunen müssen – zumindest den Bereich, in dem der Unfall passierte. Der Fall geht in die nächste Instanz.

Es gab einen vergleichbaren Fall auch schon in Deutschland. In dem Fall vor dem Landgericht München II ging es um einen markierten Wanderweg, der über eine Weide führte, auf der Rinder des bayerischen Haupt- und Landesgestüts weideten. Ein Wanderer wurde dort von einer „durchdrehenden Kuh“ angegriffen und verletzt. Er verlangte Schadenersatz und Schmerzensgeld vom Land – zu Recht. Das aufgestellte Schild „Weidevieh – Betreten auf eigene Gefahr“ konnte den Staat nicht von der Haftung befreien. Die Begründung: „Nicht einmal einen überängstlichen Wanderer hätte das Schild vom Betreten des Wanderwegs abhalten können“. (AZ: 5 O 5817/04)

Das Brandenburgische Oberlandesgericht nahm einen Elektrozaun unter die Lupe, der um eine Kuhweide gezogen war, jedoch nicht verhindern konnte, dass Kühe ausbrachen und mit einem Pkw auf einer Autobahn zusammenstießen. Der Autofahrer wurde schwer verletzt. Ein solcher E-Zaun stelle, anders als herkömmliche Zäune, regelmäßig kein „physisches Hindernis“ dar, sondern lediglich eine „psychologische Schranke“ gegen das Ausbrechen der Herde. Es ist im „Rahmen der Schutzfunktion“ darüber hinaus erforderlich, dass dieser Zaun „auch bei panikartigem Ausbruch des Viehs jedenfalls denselben Schutz gewährt wie Stacheldraht- oder Knotengitterzäune“. Ein Anspruch auf Schadenersatz und Schmerzensgeld wurde hier aber zurückgewiesen. Der Landwirt konnte nachweisen, dass der Ausbruch der Rinder auch mit Stacheldraht- oder Knotengitterzäunen nicht hätte verhindert werden können. (AZ: 12 U 234/06)

Anders das Oberlandesgericht Hamm. Dort war eine von einem Landwirt gehaltene Milchkuh auf einer Bundesstraße (die in der Nähe der Weide verläuft) mit einem Pkw zusammengestoßen. Das Gericht verlangte vom Bauern, dass er glaubhaft machen müsse, „alles unternommen“ und sämtliche „vernünftigerweise denkbaren Alternativen“ geprüft zu haben, die ein Ausbrechen der Kuh verhinderten. Das Gericht verurteilte den Halter des Nutztieres (für die ein gesetzlicher Ausschluss einer Haftung in Betracht kommen kann) zur Übernahme der halben Reparaturkosten am Fahrzeug (die hier insgesamt 11.000 Euro ausmachten), weil es die Behauptung nicht für ausreichend hielt, die Weide sei durchgängig mit einem mindestens 130 Zentimeter hohen, vierfachen Stacheldraht eingezäunt gewesen. Die Tatsache, dass die Kuh auf die Straße laufen konnte, stelle ein Indiz dafür dar, dass eine Ausbruchsmöglichkeit bestanden habe. (AZ: 9 W 45/05)

Redaktion: Karl-Hermann Leukert

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