Inliner sind Fußgänger

 

Skater ohne Vorsicht und ohne Haftpflicht sind arm dran

von Maik Heitmann und Wolfgang Büser

Inline-Skater sind Fußgänger – verkehrsrechtlich gesehen. Das heißt: Sie dürfen grundsätzlich nur auf Gehwegen/Bürgersteigen rollen. Das gilt aber nicht, wenn ein Zusatzschild „Inline-Skater frei“ am Radweg oder sogar an der Straße platziert ist. Dann ist auch dieser Bereich freigegeben.

Gut beschaffene und ausreichend breite Radwege und Tempo 30-Zonen mit geringem Verkehr sollen auch von Skatern benutzt werden dürfen, wenn sie „mit äußerster Vorsicht und unter besonderer Rücksichtnahme auf den übrigen Verkehr am rechten Rand in Fahrtrichtung“ skaten und dabei „Fahrzeugen das Überholen ermöglichen“.

Im Gegenzug müssen die Skater Bußgelder bezahlen, wenn sie unerlaubt auf Fahrbahn, Seitenstreifen oder Radweg unterwegs sind: im Regelfall 10 Euro. „Mit Behinderung“ 15, „mit Gefährdung“ 20 Euro.

Immer wieder müssen sich Gerichte mit Inlinern und deren Problemen (oder mit Problemen, die andere Verkehrsteilnehmer mit den Inlinern haben) beschäftigen – hier Urteile zum Thema:

Inlineskater sind keine „Fahrzeuge“

Da es sich bei Inlineskatern nicht um „Fahrzeuge“ im verkehrsrechtlichen Sinne handelt, können Fahrer, die einen über den Durst getrunken haben, nicht wegen „Trunkenheit im Straßenverkehr“ herangezogen werden. So vom Landgericht Landshut entschieden, das den – von der Staatsanwaltschaft angewandten – „§ 24 der Straßenverkehrsordnung“ hier nicht für maßgebend hält. Der angetrunkene Inlineskater ging deshalb straffrei aus – wenn sich das Gericht dabei offenbar auch selbst nicht wohlfühlte. (LG Landshut, 6 Qs 281/15)

Skaten gegen den Strom

Eine Inline-Skaterin war in Ostwestfalen auf der Gegenfahrbahn in einer nicht gut einsehbaren Linkskurve unterwegs und wurde von einem entgegenkommenden Auto schwer verletzt. Sie wollte vor dem Oberlandesgericht Hamm vollen Schadenersatz und Schmerzensgeld gegen den Pkw-Fahrer durchsetzen – beziehungsweise gegen dessen Kfz-Haftpflicht­versicherung. Weil sie aber nicht beweisen konnte, dass der Pkw-Fahrer „falsch ausgewichen“ und mit „überhöhter Geschwindigkeit“ unterwegs gewesen war, sprach das Gericht ihr lediglich 25 Prozent der Forderung zu: Nur die Betriebsgefahr des Kraftfahrzeuges wurde berücksichtigt. (AZ: 9 U 1/13)

Gartenschlauch im Weg

Ein Skater stürzte über den Gartenschlauch eines Hauseigentümers und verlangte Schadenersatz und Schmerzensgeld – vergeblich vor dem Oberlandesgericht Koblenz: Ein Schlauch ist ein – wegen seines Durchmessers von wenigen Zentimetern – „geringfügiges Hindernis“, aber dennoch für jedermann „klar erkennbar“. (AZ: 5 W 15/08)

Wer als Inlineskater einen Unfall verschuldet, der haftet mit seinem gesamten Vermögen. Wohl dem, der eine private Haftpflichtversicherung hat.

 

 

Ein Kommentar bei “Inliner sind Fußgänger

  1. Sehr interessanter Artikel. Bin viel auf Inline Skates unterwegs aber war mir nicht alles bewusst. Viele rechtliche Dinge sind hier zu beachten.

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