Auf der Kippe – Rauchen im Auto!

 

Fällt die Kippe in den Fußraum, besser anhalten

von Maik Heitmann

In Deutschland ist das Rauchen im Auto nicht verboten. Was irgendwann sicherlich kommen wird, ist das Rauchverbot, wenn Kinder oder Schwangere mit an Bord sind. Die Mühlen des Gesetzgebers laufen. Aber es gibt schon jetzt Situationen, da kann die Kippe durchaus teuer werden. Und die Ablenkungsgefahr durch Zigaretten ist ebenso nicht zu unterschätzen.

Das Rauchen im Auto an sich ist erlaubt. Schließlich ist jeder für seine Gesundheit selbst verantwortlich. Wird die Kippe später aber unverantwortlich aus dem Auto geschnippt, so gilt das als Umweltverschmutzung. Wer dabei erwischt wird, der kann mit einem Verwarnungsgeld belangt werden. 20 bis 50 Euro kostet das.

Diese leichtsinnige Handlung kann schlimme Folgen haben: So ist es durchaus denkbar, dass der Stummel – speziell bei schneller Fahrt – einem Motorradfahrer durch den Fahrtwind direkt vor das Visier geweht wird. Stürzt der Kradler, weil er erschrickt, und verletzt er sich, so kann sich der Raucher wegen fahrlässiger Körperverletzung verantworten müssen. Ein hoher Preis für wenig Coolness. Es gab auch schon Fälle während heißer Sommertage, in denen Teile von Wäldern durch achtlos weggeworfene Glimmstängel angesteckt wurden. Im schlimmsten Fall kann die Anklage dann bis zur fahrlässigen Tötung reichen – je nachdem, wer oder was dem Brand zum Opfer fiel.

Wenn die Zigarette herunterfällt

Fällt dem paffenden Autofahrer die Zigarette in den Fußraum, so kann es auch da gefährlich werden. Bückt er sich – oft reflexartig – nach unten, so vernachlässigt er seine Aufmerksamkeit für den Straßenverkehr. Verursacht er einen Unfall, so können sich die Versicherer zu Wort melden und wegen der „groben Fahrlässigkeit die Schadenregulierung kürzen. Dazu gibt es eine Handvoll Urteile: Das Landgericht Lüneburg bestätigte die Kürzung des Schadenersatzes durch die Kfz-Vollkaskoversicherung für einen Mann, der eine glühende Zigarette in den Innenraum fallen ließ und während der Fahrt versuchte, sie aufzuheben. Dadurch kam er von der Fahrbahn ab. Er hätte anhalten müssen und nicht die „Augen von der Straße nehmen dürfen“. (AZ: 8 O 57/02) Ebenso urteilten die Oberlandesgerichte in Hamm und in Köln. Vor dem OLG im östlichen Ruhrgebiet stand eine Autofahrerin, die beim Fischen nach der Zigarette gegen einen auf dem Seitenstreifen parkenden Pkw gefahren war. (AZ: 20 U 155/99) Und die Richter in der rheinischen Metropole hatten es mit einem Mann zu tun, der an einer Kreuzung auf einen anderen Wagen aufgefahren war, nachdem ihm die Fluppe entglitten war und er den Blick nach unten gerichtet hatte. (AZ: 9 U 184/97) Ebenso das Oberlandesgericht Karlsruhe, vor dem sich ein Mann verantworten musste, dessen brennende Zigarette auf den Sitz gefallen war. (AZ: 12 U 16/92)

Und auch schon vor dem Rauchgenuss im Auto gilt es, besonders aufzupassen. Das Oberlandesgericht Nürnberg hat entschieden, dass ein Autofahrer zwar Versicherungsschutz genießt, wenn er nach einer –  auf der Ablagekonsole liegenden – Zigarettenschachtel greift. Nicht jedoch, wenn er sich „bei der Suche nach den Zigaretten längere Zeit von der Fahrbahn abwendet“. Ein Griff sei noch eine „momentane Unaufmerksamkeit“, die verzeihbar sei. Langes Suchen hingegen nicht mehr. (AZ: 8 U 2242/93) Und das OLG Frankfurt am Main hat entschieden, dass ein Autofahrer auch dann weniger Geld von seiner Kfz-Vollkaskoversicherung verlangen kann, wenn er durch eine „reflexartige Fehlreaktion“ beim Anzünden der Zigarette einen Unfall verursacht. (AZ: 23 U 108/94)

Schärfere Regeln im Ausland

Im europäischen Ausland gibt es teilweise das Rauchverbot am Steuer schon, wenn Kinder mitfahren. Eine Übersicht:

England und Wales: Rauchverbot, wenn Kinder oder Jugendliche unter 18 Jahren mitfahren. 50 Pfund (etwa 60 Euro) Bußgeld. Gilt nicht für Cabrios.

Frankreich: Rauchverbot, wenn Minderjährige unter 18 Jahren mitfahren. 70 Euro Bußgeld.

Griechenland: Rauchverbot, wenn Kinder unter 12 Jahren an Bord sind. Es gilt für private Pkw, Taxis und Busse. Bis zu 1.500 Euro Bußgeld bei privaten Fahrten. In öffentlichen Verkehrsmitteln bis zu 3.000 Euro plus einen Monat Fahrverbot.

Italien: Rauchverbot mit Minderjährigen und Schwangeren im Auto. 500 bis 5.000 Euro Bußgeld bei Schwangeren und Kindern unter 12 Jahren. 250 bis 2.500 Euro kostet es, wenn Kinder zwischen 12 und 17 Jahren mit an Bord sind.

Irland: Rauchverbot, wenn unter 18jährige mitfahren. Ab 100 Euro Bußgeld.

Österreich: Rauchverbot, wenn Personen unter 18 Jahren mitfahren. Bis zu 100 Euro Bußgeld. Im Wiederholungsfall bis zu 1.000 Euro.

Schottland: Rauchverbot, wenn ein Mitfahrer unter „18“ ist. Bußgeld: 100 Pfund (etwa 120 €), wenn der Fall vor Gericht landet, bis zu 1.000 Pfund (etwa 1.200 €); gilt nicht für E-Zigaretten

Zypern: Rauchverbot, wenn Kinder unter 16 Jahren an Bord sind. Bis zu 85 Euro Bußgeld.

 

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